Kurz gesagt: Süd schlägt alles beim Ertrag – aber Ost und West schlagen Süd oft beim Nutzen, weil sie Strom liefern, wenn du ihn tatsächlich verbrauchst. Und die Montage entscheidet mit: Senkrecht ans Geländer gehängt kostet rund 30 % gegenüber dem Optimum.
Richtwerte: was welche Ausrichtung bringt
Bezogen auf das Optimum – Süd, 30 bis 35° geneigt – gelten diese Richtwerte:
- Süd, 30–35° angestellt: 100 %
- Ost oder West, 30–35°: ca. 80–90 %
- Süd, senkrecht (90°): ca. 70 %
- Ost oder West, senkrecht: ca. 55–65 %
- Nord, fast flach: 75–85 % · Nord, senkrecht: nur 30–40 %
In Kilowattstunden: Ein 800-Wp-Set liefert bei Süd und gutem Anstellwinkel je nach Region 600 bis 900 kWh im Jahr – senkrecht am Südgeländer bleiben davon rund 70 %. Ein 2.000-Wp-Set schafft je nach Ausrichtung 1.400 bis 2.200 kWh.
Ost/West: weniger Ertrag, mehr Nutzen
Ost-Module produzieren morgens zum Kaffee, West-Module abends zum Kochen – also genau dann, wenn im Haushalt am meisten läuft. Erfahrungswerte aus der Dach-Photovoltaik zeigen, dass eine Ost-West-Aufteilung den Eigenverbrauch deutlich heben kann. Da nur selbst genutzter Strom Geld spart, kann das die geringere Gesamternte ausgleichen – oder sogar überkompensieren.
Der unterschätzte Hebel: der Anstellwinkel
Bevor du über die Himmelsrichtung grübelst, kipp die Module an: Schon 15 bis 25° Anstellung statt senkrechter Montage bringen 10 bis 15 % mehr Ertrag, bei 30 bis 35° sind es bis zu 30 %. Eine Aufständerung kostet wenig und ist der günstigste Ertrags-Booster überhaupt.
Senkrecht hat einen Winter-Vorteil
Ganz verloren ist die Geländer-Montage nicht: Die tiefe Wintersonne trifft senkrechte Module fast im rechten Winkel, und Schnee bleibt nicht liegen. Im Winterhalbjahr liefern senkrechte Süd-Module deshalb relativ mehr nutzbaren Strom – die Erzeugung verteilt sich gleichmäßiger übers Jahr.
Schatten kostet überproportional
Ein teilverschattetes Modul verliert mehr, als die Schattenfläche vermuten lässt. Die gute Nachricht: Balkonkraftwerke nutzen standardmäßig Mikrowechselrichter mit zwei getrennten MPP-Trackern – der Schaden bleibt aufs betroffene Modul begrenzt. Prüfe trotzdem, ob Bäume, Nachbarbalkone oder Dachvorsprünge zur Mittagszeit Schatten werfen.
Und der Nordbalkon?
Senkrecht nach Norden lohnt fast nie (30–40 % des Optimums). Fast flach aufgeständert sieht es dank Diffuslicht überraschend gut aus: 75–85 % – auf einer Nord-Terrasse oder einem Flachdach kann sich das durchaus rechnen.
Fazit
Nimm die Ausrichtung, die dein Balkon hergibt, und hol mit dem Anstellwinkel das Maximum heraus – zwischen „perfekt“ und „gut genug“ liegen selten mehr als zwei, drei Jahre Amortisation. Wer den eigenen Fall exakt simulieren will, nutzt den Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin.